Vom 18. bis 21. Mai unternahmen vier Klassen des Ausbildungsberufs Baustoffprüfer eine abwechslungsreiche und fachlich spannende Klassenfahrt nach Prag.

In drei Gruppen nahmen wir an Stadtführungen teil, bei denen wir die Kleinseite, die Karlsbrücke, die angrenzende Innenstadt bis zur Nationalbibliothek sowie den Hradschin besichtigten. Auch für eigene Erkundungen blieb Zeit, in der die angehenden Baustoffprüferinnen und Baustoffprüfer die Stadt auf eigene Faust entdecken konnten. Tipps von uns und den Stadtführern gab es dazu reichlich.

Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch des renommierten Klokner-Instituts der Tschechischen Technischen Universität (CTU).

Zu Beginn wurden die Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Willkommensveranstaltung herzlich empfangen. Prof. Ing. Jiří Kolísko, Ph.D., stellte in einer anschaulichen Präsentation sowohl das Klokner-Institut als auch die geschichtliche Entwicklung der CTU Prag vor. Dabei wurden insbesondere die vielfältigen Tätigkeitsbereiche des Instituts sowie aktuelle Forschungsprojekte beleuchtet. Eindrucksvoll war die Darstellung angewandter Forschung im Bereich des Ultrahochleistungsbetons (UHPC), unter anderem am Beispiel einer Brücke über die Moldau.

Beim anschließenden Rundgang durch die Labore erhielten die Teilnehmenden spannende Einblicke in die Prüfpraxis an der CTU. Im ersten Labor wurde unter anderem eine über 10 m lange Zugprüfmaschine für Baustahl vorgestellt, die im Rahmen eines Zugversuchs direkt eingesetzt wurde. Außerdem konnten leistungsstarke Druckprüfmaschinen mit Kapazitäten bis zu 700 MPa besichtigt werden, darunter eine beeindruckende, rund sechs Meter hohe Anlage. Ein Druckversuch an einem Betonwürfel veranschaulichte das Versagensverhalten des Materials. Dabei verglichen wir die Unterschiede trotz einheitlicher Normung, insbesondere hinsichtlich der Belastungsgeschwindigkeit.

Besonders interessant war die Demonstration moderner Messmethoden zur Erfassung von Verformungen. Hierzu wurden Dehnungsmessstreifen, Kraftsensoren sowie verschiedene Extensometer-Systeme vorgestellt. Die dabei erfassten Messwerte wurden in Echtzeit am Computer visualisiert.

Im kleineren Labor lag der Fokus auf der Probenpräparation und der mikroskopischen Analyse. Die Schülerinnen und Schüler konnten die Einbettung von Proben sowie lichtmikroskopische Untersuchungen an Kunststoffen und Metallen beobachten. Ein weiteres Highlight war die Vorführung eines Rasterelektronenmikroskops, bei der unter anderem Aufnahmen von Zement und Flugasche gezeigt wurden – Letztere wurde von der Gruppe sofort erkannt.

Auch im Bereich des Betondrucks gab das Institut spannende Einblicke. Die Betondruckanlage wurde vorgestellt, und anhand von Projekten wie Brücken, Pflanzgefäßen und Skulpturen wurde die Entwicklung dieser Technologie veranschaulicht. Besonders stolz ist das Institut auf die eigens entwickelte Spritzdüse, die nicht mit Überdruck, sondern mit Unterdruck arbeitet.

Im Zusammenhang mit dem 3D-Druck von Beton wurde zudem auf die Zusammensetzung der Mörtelmischungen eingegangen. Durch Faserverstärkungen kann das Schwinden beim Erhärten reduziert werden, während verschiedene Zusatzmittel die Verarbeitbarkeit und Festigkeit optimieren. Eine besondere Herausforderung stellt die Stabilität während des Druckprozesses dar: Pro Tag können nur etwa 20 cm aufgebaut werden, um ein Umkippen zu vermeiden. Organisch wirkende Verstrebungen – vergleichbar mit der Bauweise der Sagrada Familia in Barcelona – sorgen für zusätzliche Stabilität. Gedruckt wird auf Paletten, um die fertigen Bauteile transportieren zu können.

Die Exkursion bot den Schülerinnen und Schülern wertvolle Einblicke in moderne Prüf- und Forschungstechnologien sowie innovative Entwicklungen der Baustofftechnik und stellte damit eine ideale Ergänzung zur Ausbildung dar.

Ein Abendessen auf einem Moldauschiff bei Sonnenuntergang rundete die Klassenfahrt ab.